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Autorinnen und Autoren der Literaturtage

Innovativ, inspirierend, dynamisch. Erfahren Sie mehr über die Autorinnen und Autoren der beiden vergangenen Literaturtage im Schwärzler. 

  • Amos Postner

Amos Postner

„Der Stadtplan scheint ihn nicht zu interessieren, nur weiterhin dieses Lächeln auf den Lippen, zu dem er wie so viele keinen Abstand gewinnen kann - überall, wo ich hin-komme - bei Vorträgen auf der Uni, in Cafés, im Theater, auf dem Magistrat - dieses Lächeln-fünfzig-Plus, ein ständiger Begleiter. Es hat etwas von einer Sicherheit, der ich nicht traue. Ich glaube meinem Vater eher, wenn er spricht, als wenn er lächelt.“ Aus: Der Vater, die Mutter, das Kind, 2016 


  • André Pilz Lesung 2015-04-04

André Pilz

" ... denk'  an einen Menschen, den du über alles liebst. Und jetzt stell' dir vor, dieser Mensch wäre eingesperrt in einem Zimmer, Tag für Tag, Nacht für Nacht. An den Fenstern wären Gitter, in dem Zimmer gäbe es ein Bett, ein Waschbecken, einen Spiegel, einen Wecker und einen Stuhl. Sonst nichts. Denk', dass der Mensch weder weiß, wann, noch, ob er überhaupt jemals wieder herauskommen würde. Und dass er jeden Befehl befolgen müsste. Jeden. Ansonsten gäbe es Schläge, Essensentzug." Aus: Bataillon d'Amour - Eine Geschichte von Liebe und Gewahlt, 2007

  • Bastian Kresser Lesung 2015-04-04

Bastian Kresser

"Oft frage ich mich, wer ich bin. Wer ich war, als wir unsere Leben noch gegenseitig definierten. Erzähle ich von dir, überkommt mich ein Gefühl, das ich zuvor - vor dir - nicht gekannt habe. Ich gebe ihm den Namen Ohnedich. Dir gefällt das. Du fragst: "Wie fühlst du dich heute?" Ich antworte: "Ohnedich." "Ist das gut?", fragst du. "Meine Gedanken sind bei dir", antworte ich. "Das ist gut." Aus: Ohnedich, 2013

  • Benjamin Quaderer Lesung 2015-04-04

Benjamin Quaderer

"Ich bin der Landstraße weiter gefolgt, die mich durch Dörfer geführt hat, deren Namen ich bald nicht mehr kannte. Weil mein Moped frisiert war, das heißt pfeilschnell im Flachen, aber bei der leichtesten Steigung konntest du es vergessen, habe ich versucht, Straßen, die bergauf führen, zu meiden, aber versuch das mal in der Schweiz." Aus: Für immer die Alpen

  • Bernd Schuchter

Bernd Schuchter

„Je näher er der Stadt Breda kam, desto widriger wurde das Klima, wie es für die Spanischen Niederlande bekannt war. Im Sommer feucht und kühl, im Winter feucht und kalt bis zum Erfrieren. Dazu der Krieg, der nun schon viele Jahre ins Land zog. Darüber ein ewig grauer Himmel, so weit das Auge blicken kann; bis zum Horizont und weiter. Callot fror – und mit ihm ein ganzes Land – Mensch, Tier, Boden.“ Aus: Jacques Callot und die Erfindung des Individuums, 2016

  • Carlos Peter Reinelt

Carlos Peter Reinelt

„Die werden uns schon noch finden, wahrscheinlich sind sie jetzt schon mit dem Krankenwagen unterwegs. Die helfen uns. Ich hab’s ja selbst gesehen, die Plakate. Du hast sie geformt, diese Menschen! Da waren sie! Menschen mit Banner, „Willkommen in Osterreich“ hat’s da geheißen. Ich hab’s geschafft. Alle haben sie gesagt, überstehst du das Mittelmeer, hast du’s geschafft. Ich bin übers Mittelmeer gekommen. Ich bin schon in der EU, seit zwei Wochen. Ich bin jetzt endlich da. Die Luft hier drinnen fühlt sich wie Blei an. Wieso schreien die so?“ Aus: Willkommen und Abschied, 2016

  • linher_christoph

Christoph Linher

"Ich habe mich oft gewundert über diese Vorstellungsresistenz, über die Leichtigkeit, mit der schwerwiegende Worte in den Mund genommen werden. Wir befassen uns immer nur mit den Begriffen allein und noch selten mit deren tiefgreifenden Bedeutungen, wir halten das Blau des Himmels für wirklicher als die sich ausdehnende Kälte dahinter." Aus: Farn - Eine Erzählung aus dem Off, 2016

  • Claudia Tondl

Claudia Tondl

„Meine Großmutter war der Ansicht, dass das viel zu wenige Menschen tun. Atmen. Natürlich atme ich mein Leben lang. Wenn ich in der Minute elf Mal atme, sind das 660 Atemzüge pro Stunde, 15.840 Atemzüge pro Tag, 5.781.600 Atemzüge pro Jahr, und angenommen ich werde 83,91 Jahre alt, wie mir das die Statistik prophezeit, werde ich 485.134.056 geatmet haben bevor ich damit aufhöre.“ Aus: Ein . Aus, Kurzprosabeitrag für BREATHE AUT, EXPO Milano 2015

  • Constantin Göttfert

Constantin Göttfert

"Heimat - das gibt es nicht mehr. Es gibt ein Haus und einen Hof und einen Kartoffelacker, wusste Ina, und Weinberge und eine Kirche und Birkenwälder und die Ruinen einer alten Burg, aber das alles zusammen sei trotzdem keine Heimat mehr." Aus: Steiners Geschichte, 2014

  • egger_daniela

Daniela Egger

"Da war ich einen kurzen Moment an einem Bretterverschlag vorbeigegangen und sah nichts weiter als ein Mädchen, das dort in der Hitze und in dem Dreck ihren blöden Verschlag putze. Dieses Putzen fand ich so absurd inmitten des ganzen Elends, das sie umgab. Und sicher nur das Putzen war es, was mich dabei so iritierte, denn das hätte auch zu einer Verrückten gepasst, die sich nach ihrem Abstieg in die Slums noch einbildete, in einem Palast zu wohnen und dort Goldklingen zu putzen - aber das war sie nicht. Sie war fröhlich und strahlte, als wäre die Welt vollkommen." Aus: unveröffentlichtes Manuskript, 2014

  • Eva Woska-Nimmervoll

Eva Woska-Nimmervoll

„Wie stellt man sich? Nimmt man da seine Zahnbürste schon mit? In Gedanken sehe ich mich mit Rucksack und Heinz Richtung Polizei gehen. Bei der Ampel warten. Doch dann sehe ich mich in die andere Straße abbiegen, die vom Polizeiposten wegführt. Ich kann Heinz nicht mitnehmen ins Gefängnis. Und zwanzig Jahre draußen warten kann er auch nicht. Man stellt sich nicht. Man stellt sich tot.“ Aus: Heinz und sein Herrl, (Arbeitstitel)

  • Fabian Oppolzer Lesung 2015-04-04

Fabian Oppolzer

"Paul versucht, sich aus ihrem Griff zu winden, aber sie schlingt ihre Arme nur fester um ihn. Er beginnt zu schreien, aber sie lässt ihn nicht los. "Sei ein braves Kind", sagt sie. "Sei lieb." Aus: Kein böses Kind, 2013

"Gibt es Sinfonie?", frage ich. "Selbst die ersten drei Sätze existieren nur als Idee ... ihr hätte sie niemals finden können." "Wird er sie je schreiben?" "Das weiß keiner." Aus: Höllensturzsinfonie, 2014

  • Gabriele Bösch  Lesung 2015-04-04

Gabriele Bösch

"Das verblasste Porträt zweier Liebender. Sie beobachtet, wie jene Frau dort langsam die Arme mit den Armen des Mannes verschränkte. Wie ein noch kahler Baum im Nebel standen sie. Ein Wiegen in der Bewegung, als trotzden sie Böen. Ein anderes Wiegen in ihrem Blick." Aus: Schattenfuge, 2012

  • petz_georg

Georg Petz

"Der Teppich wie ein fremdes Fell, die Decke schläft, ein schwarzes Tier, eng an die Wand gedränkt, das Kissen hat sie sich gleich nach dem Aufstehen einverleibt, verdaut es jetzt, der Bildschirm läuft noch, der PC, zwei kurze Klicks, wie lautet die Parole? Westwind. Enter Password, FuckUall." Aus: Im Westen nichts Neues, 2014

"Ich erzähle diese Geschichte nie wieder. Wir hatten Recht, werde ich zu Julia sagen, man dürfe nicht mit dem Orkus in Berührung kommen. Es sei klug gewesen, in unseren Geschichten stets die Luft anzuhalten, und ich werde ihr auch nie davon erzählen, wie der Boden des Mühlgangs plötzlich zur Bewegung wird und das Floß ins stille Wasser hineindriftet." Aus: Im Zeichen des Krebses, aus dem Band Millefleurs, 2015

  • Hansjörg Quaderer

Hansjörg Quaderer

„Sein erstes Bild in öffentlicher Hand befand sich im städtischen Fundbüro. Die Eichkätzchen am Kanal haben zu blühen begonnen und verströmen ein Leuchten geradezu in den hellichten Tag. - Ein anderer Künstlertyp: Kunst ist ihm etwas Ansteckendes, Infektiöses, beinah eine Kinderkrankheit, die ausbricht wie Masern, im Fieberschub kommt, ein Zustand, der ins Gewöhnliche verebbt und vollends verflacht...“ Aus: peripher, 1998

  • Irene Diwiak

Irene Diwiak

"An manchen Tagen konnte er kaum schreiben, weil ihn die Faszination an seiner eigenen virlschichtigen Persönlichkeit davon abhile. Sein Geist war so groß, dass nicht einmal er, der Herr der Buchstaben, Worte dafür finden könnte. Eine Art religiöse Rührung trieb Tränen in seine Augen, während er einschlief. Sein Schlaf war selig. Seine Träume beteten zu ihm selbst." Aus: Der Klang der Frauen, Roman-Manuskript

  • Isabella Krainer

Isabella Krainer

ich
in fetzen
nur
meine papiere
sind
ganz
Aus: identität, 2016

  • Katharina Klein

Katharina Klein

„Jemand wirft eine Weinflasche aus dem Fenster Fahrradbremsen quietschen wie mein Plastik denke ich ein Fluchen ein Hund bellt Bist du noch wach eingesunken im Delirium vom Raum fast vergessen Da sind welche im Lift stecken geblieben erinnert sich der Raum an mich Und andere von der Dachterrasse geflogen wie die Vögel sagst du und lächelst Wie die Vögel breitest die Arme aus und schlägst mit den Flügeln“ Aus: Schnapsschüsse, 2016

  • achberger_linda

Linda Achberger

"Wenn David morgens nur in der Unterhose in der Küche steht, Kaffe in der kleinen silbrigen Kanne aufsetzt und das Streichholz an die Gasflamme hält. Und der Geruch des Gases, der sie an früher erinnert, als die Soldaten in die Häuser kamen und in den Kellern die Gashähne aufdrehten." Aus: Arjana & David, 2015

  • Martina Mittelberger Lesung 2015-04-04

Martina Mittelberger

"Es war eine gespenstische Nacht. Anna und Josef hielten sich an den Händen und blickten in das vom Regen diffus gestreute Halogenlicht hinaus. "Warum helfen die Karfreitagseier nicht?", fragt die Wirtin ihren Mann. Der blieb stumm, drückte ihre Hand fester. Ana wusste wohl, dass Josef keine befriedigede Antwort geben konnte, aber all ihre Gedanken finden wie Fragewörter an. "Warum zerstört der Herrgott seine eigee Kapelle? Oder ist es gar der Leibhaftige, der unsere Heimat dem Erdboden gleichmacht? Wer hat ihn heraufbeschworen?" Aus: Flurbereinigung, 2009

  • Max Lang Lesung 2015-04-04

Max Lang

"Der Wind rüttelte weiter an den Festern. Er wollte hinein. Er wollte durch die Wohnung fegen. Er wollte die Sachen des Alten durcheinander bringen. Die Zettel, die Unterlagen, die medizinischen Befunde, die Notenblätter, er wollte das Cello wachrütteln, auf dem der Alte gespielt hatte - Schubert, Tschaikowski - er wollte das Feuer im Herd löschen, an dem sich seine Verwandten zu wärmen versuchten […]" Aus: Der Herd, Erzählung, 2014

  • Maya Rinderer Lesung 2015-04-04

Maya Rinderer

"Aller Tod hate vor meiner Geburt stattgefunden. Die Familie meines Großvaters mütterlicherseits war in den verschiedenen Lagern von Europa ermodert worden, die Urgroßeltern väterlicherseits waren schlichtweg schon früh al und schon immmer arm gewesen." Aus: Familienerzählungen (Arbeitstitel), 2015

  • Monika Helfer

Monika Helfer

„Das Bett ist der Wartesaal meiner Träume“ Aus: Das Bett, 2017

  • kegele_nadine

Nadine Kegele

"Vielleicht werde ich verrückt. Wenn man allein ist, merkt man das nicht sofort, oder erst, wenn es zu spät ist. Die Katze ist kein guter Gradmesser. Ich meinte: Wir reden miteinander." Aus: Bei Schlechtwetter bleiben Eidechsen zu Hause, 2014

  • Paul Ferstl Lesung 2015-04-04

Paul Ferstl

"Die Liebe ist ein dubioses Geschäft, eher parasitär als symbiotisch angelegt; wenn nicht gar die Rolle eines Saprophonagen gespielt wird, eines Fressers von toter organischer Materie, falls die andere Person nur noch durch die Verdrängung exisitert, die sie im Raum erzeugt." Aus: Der Knoten, 2014


  • Philipp Röding Lesung 2015-04-04

Philipp Röding

"Manchmal hatte ich im Supermarkt diese Schmerzen. Supermarktphantomschmerzen. In Wirklichkeit sagt mein Vater fast nie etwas. Manchmal kamen mir im Supermarkt die Tränen. Dann setzte ich meine Sonnenbrille auf. und meine Trauer wurde unsichtbar für die anderen Verbraucher. Einmal habe ich eine Verbraucherin gesehen. Eine junge Frau. Die weinte im Supermarkt. Sie meinte und hielt ein Glas Uncle-Bens in der Hand. Und weinte. Sonst war da nichts. Es war wunderschön." Aus: Nemesis oder we will all die alone and unloved

  • rinderer_sarah

Sarah Rinderer

"wie wenig platz wir auf der gepäckablage brauche, sagt oskar. auch philomena schaut nach oben. vielleicht wird man über die jahre zur reisetasche des anderen. gefüllt bis zum rand mit umgespulten erinnerungen. sekunden, die man sonst aus dem film herausschneidet." Aus: das blinken der windräder vor paris, 2015

  • bauer_theodora

Theodora Bauer

"Die Tante Meri ist im Grunde genommen eine liebe Person gewesen. Der Ferdl hat sich das immer wieder gesagt. Er ist sich nicht sicher gewesen, ob das irgendwer anders auch so gesehen hat, aber er, der Ferdl, hat es gewusst." Aus: Der Fall der Tante Meri, 2014

  • Thomas A. Welte

Thomas Welte

FRANZÖSISCHE SOLDATIN: „Und jetzt schwöre mein Sohn, schwöre bei den Schlangen des Melkart, den Eid des siebenfachen Hasses auf Rom, nie versiegende Feindschaft, kein Friede, kein Waffenstillstand, keine Gnade, solange du lebst. Und Hannibal schwor: solange ein Römer über Land geht oder auf dem Wasser segelt, soll sein Hass niemals versiegen. Kitschig was? Immer noch keine Angst?“ Aus: Das Verhör, 2013

  • demuth_volker

Volker Demuth

"Es ist in meinen Augen die Geschäftsbedingung der Literatur, der Deal, den ein Schriftsteller mit der Sprache macht, dass er sich zur Instanz eines Welzusammenhangs erklärt, auch wenn er in der Gegenwart stöbert wie ein Hund im Straßenmüll." Aus: Zur Sprache kommen oder Schreiben.doc, 2012

  • bleier_wolfgang

Wolfgang Bleier

"Die Nacht ist ein Hospiz für Vernachlässigte; darin gibt es Übernachtungsmöglichkeiten und Ausflugslöcher; wir wohnen ein Weilche in Gästezimmern und schauen in die Finsternis." Aus: Fischfang bei aufgehender Sonne, 2015

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